Kennzahlen
Kennzahlen kommen immer dann zum Einsatz, wenn Sachverhalte vergleichbar gemacht werden sollen.
In der Betriebswirtschaft werden betriebswirtschaftliche Kennzahlen zur Beurteilung von Unternehmen sowie der Festlegung von Unternehmenszielen und der Messung ihrer Erreichung verwendet.
Betriebswirtschaftliche Kennzahlen geben Auskunft über wichtige Tatbestände und Entwicklungen im Unternehmen. Sie fassen betriebswirtschaftliche Daten zusammen und bündeln sie zu einer aussagefähigen Größe. Kennzahlen filtern aus der Flut der Informationen das Wesentliche heraus, helfen Maßstäbe aufzustellen und die Situation des Unternehmens objektiv darzustellen.
Welche Arten von Kennzahlen gibt es?
Grundsätzlich lassen sich Kennzahlen klassifizieren in
- Kennzahlen zur Analyse (Information und Beurteilung) und
- Kennzahlen zur Steuerung (Planung, Umsetzung und Kontrolle)
Weiterhin wird unterschieden nach dem Verwendungsort in Kennzahlen
- zur unternehmensinternen Verwendung (Controlling) und solche
- zur externen Verwendung (Unternehmensbewertung und –einschätzung).
Weiterhin lassen sich Kennzahlen gliedern nach dem zugrunde liegenden Sachverhalt, der durch sie ausgedrückt werden soll in
- Kennzahlen zur Vermögens- und Kapitalstruktur
- Kennzahlen zur Rentabilität
- Kennzahlen zum Erfolg
- Liquiditätskennzahlen
- Kennzahlen zur Produktivität
Wo finden Kennzahlen Verwendung?
In der Praxis existieren drei wesentliche Hauptbereiche, in denen Kennzahlen zum Einsatz kommen: Intern als Controllinginstrument der Unternehmen im Unternehmen selbst, extern zur Bewertung und zum Vergleich von Unternehmen und drittens, ebenfalls extern, im Rating von Kunden der Banken.
Intern dienen Kennzahlen als Basis für Entscheidungen (Problemerkennung, Darstellung, Informationsgewinnung), zur Kontrolle (Soll-Ist-Vergleich), zur Dokumentation und/oder zur Koordination (Verhaltenssteuerung) wichtiger Sachverhalte und Zusammenhänge im Unternehmen.
Um bei betrieblichen Entscheidungen schnell eine übersichtliche Grundlage zu haben, wird in der Praxis sehr viel mit Kennzahlen gearbeitet. Sie dokumentieren in Kurzform z.B. wie das Unternehmen gegenüber anderen Unternehmen dasteht, wie sich die wirtschaftliche Lage entwickelt hat, welche Veränderungen sich in den einzelnen Betriebsabteilungen zeigen, ob geplante Ziele erreicht wurden und wie die finanzielle Lage aussieht.
Auf der Grundlage von Kennzahlen kann das Unternehmen Ziele festsetzen und die Zielerreichung überwachen. Fehlentwicklungen können rechtzeitig erkannt werden, was dann ein frühzeitiges Gegensteuern durch das Management ermöglicht oder zur Anpassung der Unternehmensziele führt.
Liegen Kennzahlen von Konkurrenzunternehmen vor, so können, durch den Vergleich mit den eigenen Zahlen (Benchmark), häufig wertvolle Hinweise gewonnen werden, die auf der strategischen wie auf der operativen Ebene von großem Nutzen für das Unternehmen sind.
Kennzahlen in der Praxis
Die Berechnung von Kennzahlen ist das eine, die (sinnvolle) Interpretation eine andere. Grundsätzlich ist bei der Verwendung von Kennzahlen Vorsicht angebracht und Sachkenntnis gefragt, denn sehr leicht zieht man aus einer Kennzahl Schlüsse, die zu einer Fehlinterpretation der Lage bzw. des Unternehmens führen. Kennzahlen an sich sind relativ wertlos. Entscheidend ist es zu wissen, was die Kennzahlen eigentlich aussagen und in welchem Zusammenhang sie zu sehen sind.
Es gibt zwei grundsätzliche Arten von Kennzahlen:
- absolute Kennzahlen (z.B. Umsatz, Gewinn, Anzahl Mitarbeiter, Energiekosten usw.)
- relative Kennzahlen (Verhältniskennzahlen; z.B. Umsatz je Mitarbeiter, Gewinn je Produkteinheit, Eigenkapitalquote usw.)
Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick
1. Kennzahlen zur Vermögensstruktur
Die Kennzahlen zur Vermögensstruktur geben mit Aussage zur Kapitalstruktur und zur Kapitalaufbringung einen Einblick in die Kapitalausstattung und Finanzierungsstruktur des Unternehmens.
Eigenkapitalquote = Eigenkapital x 100 / Gesamtkapital)
Die Eigenkapitalquote ist eine sehr wichtige Kennzahl zur Beurteilung der finanziellen Situation eines Unternehmens und gibt an, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital ist.
Fremdkapitalquote (Anspannungsgrad) = Fremdkapital x 100 / Gesamtkapital
Die Fremdkapitalquote gibt an, wie hoch der relative Anteil des Fremdkapitals am Gesamtvermögen (Bilanzsumme) ist.
Verschuldungsgrad = Fremdkapital x 100 / Eigenkapital
Der Verschuldungsgrad eines Unternehmens berechnet sich aus dem Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital. Grundsätzlich gilt, je höher der Verschuldungsgrad eines Unternehmens umso abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern.
Abschreibungsquote = Summe aller Abschreibungen x 100 / Bilanzsumme
Die Abschreibungsquote gibt die durchschnittliche Nutzungsdauer der Vermögensgegenstände an und dient auch als Indikator für die Investitionsstärke eines Unternehmens. (Abschreibung)
2. Rentabilitätskennzahlen
Um den Erfolg eines Unternehmens zu bestimmen sind Rentabilitätskennzahlen bestens geeignet. Sie bezeichnen das Verhältnis von Gewinn zu Kapital und ermöglichen eine Vergleichbarkeit des eingesetzten Kapitals mit alternativen Anlageformen bezüglich der Verzinsung. Die Rentabilität beschreibt die Ertragsfähigkeit eines Unternehmens
Gesamtkapitalrentabilität = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) x 100 / Gesamtkapital
Die Gesamtkapitalrendite gibt an, welchen prozentualen Betrag (Rendite) das eingesetzte Gesamtkapital erwirtschaftet hat und wird von verschiedenen Kennzahlensystemen als Spitzenkennzahl verwendet
Eigenkapitalrentabilität = Gewinn (Verlust) x 100 / Eigenkapital
Die Eigenkapitalrentabilität bezeichnet das Verhältnis von (Rein-) Gewinn zu Eigenkapital und belegt somit die Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals. Die Eigenkapitalrentabilität ist eine wichtige Kennzahl besonders für die Eigentümer und Anteilseigner eines Unternehmens bezüglich der Verzinsung des investierten Kapitals.
Umsatzrentabilität = (Jahresüberschuss / Umsatzerlöse) x 100
Die Umsatzrentabilität gibt das Verhältnis von Gewinn zu Geschäftsvolumen wieder. Sie ist eine Kennzahl, die den Gewinn (Erfolg) in ein prozentuales Verhältnis zum Umsatz eines Unternehmens bringt. So bedeutet eine Umsatzrendite in Höhe von 10%, dass mit jedem umgesetzten Euro ein Gewinn in Höhe von 10 Cent erwirtschaftet wurde.
Return on Investment (ROI) = (Gewinn / Gesamtkapital) x 100
ROI steht für – Gewinn im Verhältnis zu investiertem Kapital. Der Return on Investment gibt an, welche Rendite das gesamte im Unternehmen eingesetzte Kapital innerhalb einer Periode erwirtschaftet hat bzw. wie hoch der prozentuelle Anteil des Gewinns am Gesamtkapital ausfällt
3. Erfolgskennzahlen
Kennziffern zur Veranschaulichung des wirtschaftlichen Erfolgs einer Unternehmung. Der Erfolg ist die Differenz zwischen den Erträgen und den Aufwendungen einer Geschäftsperiode, also entweder Gewinn oder Verlust. Erfolgskennzahlen werden häufig für Vergleichsanalysen eingesetzt.
Cash-flow = zahlungswirksame Erträge - zahlungswirksame Aufwendungen = Jahresüberschuss + Abschreibungen + Zuführung zu Rückstellungen - Auflösung von Rückstellungen + Bestandsänderungen
Der Cash-flow ist eine Kennzahl aus der Bilanzanalyse. Er stellt einen Indikator für die Finanzkraft eines Unternehmens dar, d.h. vor allem für dessen Möglichkeiten, aus eigener Kraft Investitionen zu finanzieren, Steuern zu bezahlen bzw. Schulden zu tilgen.
EBIT (englisch: earnings before interest and taxes; übersetzt: Ertrag vor Zinsen und Steuern): EBIT = Jahresüberschuss (Gewinn) + Zinsaufwand – Zinserträge +/- Beteiligungsergebnis + Steueraufwand – Steuerertrag + außerordentlicher Aufwand - außerordentliche Erträge
Diese Kennzahl wird zur Beurteilung der Ertragssituation von Unternehmen herangezogen und zeigt die operative Ertragskraft eines Unternehmens unabhängig von dessen Kapitalstruktur.
EBITDA (englisch: earnings before interest, taxes, depreciation and amortization; übersetzt: Ertrag vor Finanzergebnis, außerordentlichem Ergebnis, Steuern und Abschreibungen)
EBITDA = EBIT + Abschreibungen auf das Anlagevermögen - Zuschreibungen zum Anlagevermögen
Das EBITDA baut auf dem EBIT auf und fokussiert noch stärker als das EBIT die reine, operative Ertragskraft des Unternehmens, da auch Abschreibungen aus dieser Kennzahl herausgerechnet werden.
4. Liquiditäts-Kennzahlen
Die Liquidität ist die Fähigkeit und die Bereitschaft eines Unternehmens, seine fälligen Zahlungsverpflichtungen termingerecht zu erfüllen. Liquiditätskennzahlen geben Auskunft über das kurzfristige, finanzielle Gleichgewicht in einem Unternehmen.
Liquidität ersten Grades = Zahlungsmittel / Kurzfristige Verbindlichkeiten
Die Liquidität ersten Grades (acid-test ratio, liquid ratio) soll Maßstab dafür sein, in welchem Umfang die liquiden Mittel die kurzfristigen Verbindlichkeiten decken. Eine Liquidität 1. Grades in Höhe von 20% sagt z.B. aus, dass lediglich 20% der kurzfristigen Verbindlichkeiten mit den flüssigen Mitteln beglichen werden können.
Liquidität zweiten Grades = Zahlungsmittel + kurzfristige Forderungen / kurzfristige Verbindlichkeiten
Die Liquidität 2. Grades gibt an, wie hoch der Anteil der Forderungen und der flüssigen Mittel an dem kurzfristigen Fremdkapital ist. Eine Liquidität 2. Grades in Höhe von 40% sagt aus, dass nur 40% der kurzfristigen Verbindlichkeiten durch flüssige Mittel und Kundenforderungen gedeckt sind.
Liquidität dritten Grades = Zahlungsmittel + kurzfristige Forderungen + Vorräte / kurzfristige Verbindlichkeiten
Die Liquidität 3. Grades gibt an, zu welchem Anteil das kurz- und mittelfristige Fremdkapital durch das Umlaufvermögen gedeckt ist. Eine Liquidität 3. Grades in Höhe von 70% sagt aus, dass lediglich 70% der kurz- und mittelfristigen Verbindlichkeiten durch das Umlaufvermögen gedeckt sind. Das bedeutet, dass zumindest ein Teil Anlagevermögens kurzfristig(nicht fristenkongruent) finanziert ist.
5. Produktivitätskennzahlen
Für das wirtschaftliche Wohlergehen eines Unternehmens ist eine steigende Produktivität. ein immerwährendes Thema des wirtschaftlichen Handelns und eine permanente Hauptzielsetzung der Unternehmensleitung. Der Produktivitätsindex ist neben dem Produktionsindex ein häufig benutzter Indikator zur Beobachtung und Beurteilung der laufenden wirtschaftlichen Entwicklung. Unter Produktivität wird generell die Beziehung zwischen dem Produktionsergebnis (Output) und dem Einsatz (Input) eines Produktionsfaktors verstanden.
Personalaufwandsquote = Personalaufwand x 100 / Gesamtleistung
Die Personalaufwandsquote gibt den Anteil des Personalaufwandes an der Gesamtleistung an, wobei sich der Personalaufwand errechnet aus Löhnen, Gehältern und Sozialaufwendungen. Der Personalaufwandsquote kommt unter den weiteren Kennzahlen zur Ertragslage eine besondere Bedeutung zu, da die Personalkosten in vielen Unternehmen einen wesentlichen Anteil an den betrieblichen Gesamtkosten haben
Zinsaufwandsquote = Zinsaufwand x 100 / Gesamtleistung
Die Zinsaufwandsquote beschreibt den prozentualen Anteil der Zinsen an der Gesamtleistung. Je geringer die Zinsaufwandsquote ist, desto geringer ist auch die Abhängigkeit des Unternehmens von Entwicklungen am Geld- und Kapitalmarkt
Mietaufwandsquote = (Mietaufwand + Leasingaufwand) x 100 / Gesamtleistung
Die Mietaufwandquote beschreit den Anteil der Miet-, Pacht- und Leasingkosten in Relation zur betrieblichen Gesamtleistung. Der Mietaufwandsquote kommt als Kennzahl eine besondere Bedeutung zu, da mieten, Pachten und Leasingraten in der Regel (neben den Personalkosten) einen wesentlichen Anteil an den Fixkosten eines Unternehmens hat
Umsatz je Beschäftigter = Nettoumsatz / Anzahl Beschäftigte
Diese Kennzahl gibt an, wie viel Umsatz rein rechnerisch auf einen Mitarbeiter entfallen. Die Kennzahl gibt Auskunft über die Rentabilität des Personaleinsatzes in einer Periode. Wichtig ist, dass für die Berechnung die durchschnittliche Anzahl an Mitarbeitern für die entsprechende Periode herangezogen wird um die Aussage nicht zu verfälschen
Rohertragsquote = Rohertrag x 100 / Gesamtleistung
Die Rohertragsquote gibt an, wie groß der Anteil der betrieblichen Gesamtleistung am Umsatz nach Abzug des Materialeinsatzes ist. Eine Änderung der Rohertragsquote belegt eine Veränderung des Materialeinsatzes (nach Höhe oder Menge) in Relation zur Gesamtleistung.
Neben den vorgestellten Kennzahlen existiert noch eine Vielzahl weiterer Kennzahlen, die je nach Einsatzzweck zum Einsatz kommen. Darüber hinaus können im Unternehmen je nach Bedarf eigene Kennzahlen zum Einsatz kommen.